Keine Reise ohne Harry

Wann immer ich auf Reisen gehe, ist Harry mit dabei. Seit inzwischen 20 Jahren, in Worten: ZWANZIG! Als vor wenigen Wochen der 20. Jahrestag von „Harry Potter“-Teil 1 in den Medien gewürdigt wurde, war ich echt erschrocken. Wie, schon so alt? Sowohl Harry, als auch ich! Damit oute ich mich jetzt mal als Fan des „Harry Potter“-Universums.

Das erste Buch hatte ich vor allem deshalb gelesen, weil ich wissen wollte, wovon mein großer Neffe so redet. Aber damit ging ich J. K. Rowling in die Falle. Seitdem liebe ich ihre fein gesponnene, wunderbar detailreiche Saga um den Zauberlehrling und werde nicht müde, sie immer wieder zu lesen bzw. zu hören, obwohl ich alle Bände nahezu auswendig kenne.

Das hängt auch ein bisschen mit meinen persönlichen Lesegewohnheiten zusammen. Ich bin ein extremer Schnell-Leser. Mein persönlicher Rekord steht bei 11 dicken Wälzern im Harry-Potter-Format in nur 8 Tagen (Es war ein Krankenhausaufenthalt, die Mitpatienten haben meinen Bücherkonsum gezählt. Es war halt langweilig da und ich war nicht wirklich todsterbenskrank….)

Beim ersten Mal überfliege ich ein Buch eigentlich nur, da geht es mir ausschließlich um die Handlung. Die kriege ich im ersten Durchlauf schon mal mit. Habe ich mich im Schnelldurchgang durch die Handlung gefräst, lese ich ein Buch noch mal – oder auch nicht. Noch mal lese ich es, wenn mir die Sprache gefällt oder die Details oder beides. Wenn nicht, ist einmal genug.

Wenn ich ein Buch mag, kann ich es immer wieder lesen/ hören – ja, ich mag auch Hörbücher –  und es wird mir nicht langweilig, auch wenn ich die Handlung längst auswendig kenne. Das ist mir egal, denn ich rede ja auch mit Menschen, die ich mag, auch wenn ich ihre Geschichten längst kenne.

So geht es mir mit den „Harry Potter“-Büchern. Sie sind wie gute Freunde, ich freue mich immer,  sie wieder zu treffen, selbst wenn ich weiß, was sie zu erzählen haben. Der Figuren-Kosmos der Potter-Bücher ist so wunderbar vielfältig und liebenswert und keiner der Charaktere ist wirklich völlig platt oder eindimensional. Die Guten haben immer auch problematische Seiten und auch die Bösen sind – bis auf eine Ausnahme – nicht in allem wirklich grottenschlecht. Selbst Professor Snape hatte eine gute Seite…

Und ich bewundere J. K. Rowling für die Sorgfalt, mit der sie ihre Geschichte über sieben bzw. acht Bände verwoben hat. Details aus den ersten Büchern spielen im Finale plötzlich wieder eine Rolle. So viel Weitsicht muss man erst mal haben. Respekt!

So ganz nebenbei – oder eben nicht nebenbei – ist die Potter-Saga auch ein starkes Plädoyer gegen Hass und Ausgrenzung, z. B. der unreinen „Schlammblüter“. Oder auch gegen Sklaverei und Ausbeutung – z. B. der „Hauselfen“.

Immer wieder habe ich auch Freude an solch wunderbar verspielten Erfindungen wie dem „Monsterbuch der Monster“, dem „Fahrenden Ritter“, dem Flohpulver, Portschlüsseln, Schokofröschen, Bertie Botts Bohnen aller Geschmacksrichtungen.

Oder so eine grandiose Erfindung wie der „Heuler“! Ab und an – zum Beispiel gerade jetzt wieder – würde ich sehr gerne einen roten Brief, der vor Zorn zittert und raucht, an meine Chefs schicken. Damit er ihnen eine Ansprache hält, dass ihnen in den Ohren klingeln. Aber so was von!!! Den „Heuler“ habe ich inzwischen in meinen Alltag integriert. Wenn ich meinen Kollegen sage: „Ich schick‘ dir gleich einen Heuler!!“, dann wissen sie inzwischen, was gemeint ist und ziehen schon mal die Köpfe ein…

Das ist auch sicher nicht die einzige Adaption der Zauberer-Welt an die Muggel-Realität. Am Londoner Bahnhof Kings Cross gibt es inzwischen tatsächlich eine echte Wand zum imaginären „Gleis 9 3/4“

Was für eine Vorstellung: mit dem Gepäckwagen in vollem Schwung gegen die Wand fahren  (es schadet ja nicht, wenn man ein bisschen rennt!) und dann in einem zauberhaften Paralleluniversum ankommen…

20170627_Gleis_9dreiviertel

Ok, ich fahre ganz sicher nicht mit einem Gepäckwagen gegen die Wand.

Aber auf jeder größeren Reise habe ich ein Harry-Potter-Hörbuch im Gepäck – natürlich nur eins mit Rufus Beck… Das mit dem Gepäck meine ich ernst, ich habe wirklich die ersten vier Bände noch auf Kassette! Und mein Auto ist so alt ,es hat noch ein Kassetten-Laufwerk! Dennoch werde ich das demnächst durch ein Blauzahn-Radio austauschen lassen und dann die Hörbücher vom Handy aus laufen lassen.

Mal sehen, ob ich die Bücher irgendwann mal beiseite lege bzw. die Hörbücher nicht mehr höre. Momentan ist dieser Zeitpunkt noch nicht in Sicht.

PS. nach den „richtigen“ Potter-Büchern war für mich Schluss. Den Rest der ganzen „Vermarktungs-Maschinerie“, „Pottermore“ und das ganze Merchandising, den nächsten Film, das Theaterstück habe ich nicht mehr mit verfolgt. Frau J. K. R. kann sicher trotzdem weiter von den Einnahmen leben. Ich gönne es ihr, von ganzem Herzen.

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