Turbulenter Start

Eine alte Geschichte aus Klein-Meckos allerersten Tagen. Beinahe wäre mein Traumfohlen ein Flaschenkind geworden. Was es aber vehement ablehnte. Nach ein paar Tagen war zum Glück alles wieder gut. Dazwischen war es aber sehr turbulent.

Klein-Mecko war erst drei oder vier Tage alt, da bekam ich im Büro einen Anruf: „Du, dein Fohlen trocknet aus, die Stute hat keine Milch mehr!“ Das war ROTER ALARM! Ich düste sofort zum Stall. Mein Kleiner stand noch auf seinen Fohlenbeinchen, aber der Hautfalten-Test sah schon echt mies aus. Die Milchbar war versiegt. Mama Chanty hatte leichtes Fieber, es war wohl doch ein Fitzelchen Nachgeburt drin geblieben und hatte sich entzündet. Der Tierarzt war schon da gewesen und hatte die Stute behandelt. Für das Fohlen jedoch konnte er nichts tun.

Und die Natur tickt ein bisschen härter als ein Disney-Film. Dort hätte sich die Mama ohne nachzudenken fürs Kind geopfert. Die Natur sieht das anders. Die rettet die Mama, denn die kann in nächsten Jahr wieder ein Fohlen bekommen. Wenn das diesjährige Fohlen es nicht schafft, ist das traurig, aber halt Pech für das Fohlen. Aber noch war Klein-Mecko ja nicht tot, erstmal fehlte ihm nur Mamas Milch. Wobei das bei so jungen Tieren schnell bergab geht, die haben nicht viel Reserven…

Ich hatte für alle Fälle schon etwas Milchpulver für Fohlen auf Vorrat und auf dem Heimweg auch gleich noch ein Babyfläschen gekauft. Ich mixte das Pulver nach Anleitung an, füllte es ins Fläschen und mein Fohlen – nahm es noch nicht mal ins Mäulchen. Keine Chance, ich bekam nichts rein in die kleine Schnute.

Inzwischen trafen auf weitere Mitwirkende ein, die alle helfen wollten. Jemand hatte auch eine weitere Sorte Milchpulver für Fohlen mitgebracht. Hoffnungsvoll mischte ich sie an und füllte sie in ein Fläschchen. Mecko lehnte auch dieses Getränk ab! Vielleicht mochte er ja den Babynuckel nicht? Sofort fuhr noch mal jemand zum Supermarkt und kam mit einer Kollektion Nuckel zurück. Von denen keiner funktionierte…

Vielleicht waren die Babynuckel ja alle zu klein? Ich fuhr zu einem Bauernhof in der Nachbarschaft und bekam eine Kälberflasche geschenkt. Alles viel größer, die Flasche, der Nuckel. Aber mein Fohlen lehnte auch diese Kombi ab, er nahm einfach nichts, presste lieber das Mäulchen ganz fest zu. Milch auf seine Lippen tropfen half auch nichts, er leckte nicht ein einziges Mal daran.

Inzwischen hatte auch jemand mit einem Pferdhof in der näheren Umgebung telefoniert, wo Fohlenstuten standen, die genug Milch hatten um abgemolken zu werden. Dort bekam ich eine erste Portion echter Stutenmilch. Hoffnungsvoll fuhr ich zurück zum Stall, jetzt MUSSTE mein Fohlen doch trinken. Tat es aber nicht… Die kostbare Stutenmilch wurde verplempert bei den erfolglosen Versuchen, selbige in das Fohlen zu befördern. Der Kleine hielt dicht, eisern!

Später am Abend fuhr ich noch mal zum selben Pferdehof, dort sollte noch ein zweite Portion Stutenmilch verfügbar sein, die ich mir abholen konnte. Die Hofbesitzerin war zu dieser späten Stunde schon etwas angeheitert – vorsichtig formuliert… Mit schwerer Zunge erklärte sie mir, ich müsste Fohlen und Stute sofort trennen. Das Fohlen würde sich sonst erschöpfen bei den erfolglosen Versuchen, bei Mama zu trinken. Sie hatte Recht damit, aber das wusste ich erst später.

Erstmal fuhr ich mit meiner neuen, frischen Portion Stutenmilch und einem neuen, flexiblen Fläschchen zurück zum Stall. Mit diesem neuen Fläschchen gelang es mir endlich, etwas Milch per „Druckbetankung“ in das Fohlenmäulchen zu befördern. Am sehr späten Abend hatte mein Kleiner endlich einen ersten Schluck Milch im Maul. Und dann – spukte er uns die Kostbarkeit vor die Füße…

Entnervt kapitulierten fünf oder sechs Erwachsende und jeden Menge Nuckel und Fläschchen vor dem winzigen Fohlen. Wenn der Kleine so viel Energie hatte, sich gegen jeglichen Mama-Ersatz zu wehren, dann würde er wohl auch nicht gleich in der ersten Nacht sterben. Das hoffte ich zumindest, als ich ins Bett fiel und vor Erschöpfung trotzdem schlief.

Am nächsten Tag war Klein-Mecko noch am Leben. Bisschen wackelig, aber er stand. Da er Flasche und Nuckel in jeglicher Größe vehement abgelehnt hatte, besorgte ich einen Kälbereimer mit Nuckel. Den füllte ich mit synthetischer Ersatzmilch, hängte ihn in die Box und mein Fohlen spielte tatsächlich damit herum. Er trank zwar nicht so richtig erkennbar, aber Spielen und Rumplempern nahm er durchausein bisschen Flüssigkeit auf. Das reichte, um ihn über die nächsten Tage zu bringen.

Denn so nach und nach kam Mamas Milch wieder. Der Stute ging es von Tag zu Tag besser und meinem Fohlen auch. Nach einer Woche konnte ich den Kälbereimer wieder weg räumen. Mein Fohlen hatte ein paar magere Tage gehabt, aber mehr war zum Glück nicht passiert. Die Mama war wieder ganz gesund und wir alle wieder ganz entspannt…

 


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2 thoughts on “Turbulenter Start

  1. Das stimmt. Obwohl es zwischendurch noch mal kriselte in unserer Beziehung. Da hätten sich unsere Wege fast getrennt. Aber die Geschichte kommt erst noch, später mal…

  2. Was für eine emotionale Geschichte! Kein Wunder, dass du an diesem Ross ganz besonders hängst. Wenn man so um das Überleben des Fohlens gekämpft – und gewonnen hat – dann ist und bleibt das ein ganz besonderes Tier, zu dem man eine einzigartige Beziehung hat.

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