Irgendwie wird es gerade immer kälter

Endlich Apfelblüten!

Die Apfelblüte hat nun auch bei uns begonnen, aber irgendwie wollen sich keine richtigen Frühlingsgefühle einstellen. Und das liegt nicht nur an der immer noch sehr kalten Luft, die einfach bei uns nicht weichen will. Auch das gesellschaftliche Klima wird gerade irgendwie immer kälter. So empfinde ich es jedenfalls, ich finde die ersten Monate des Jahres Zwei der Pandemie irgendwie viel schwieriger als das erste Jahr.

Inzwischen hat wirklich jeder (s)eine Meinung und jeder findet (s)einen Experten, dessen Argumentation er für seine Zwecke nutzen kann. Das hat uns vor Ostern diese Ministerpräsidentenkonferenz eingebracht, auf der sich unsere Landesfürsten auf so wenige Punkte einigen konnten, dass ich sie schon vergessen habe, zumal dann jeder für sein Ländchen noch mal eigene Regeln gemacht hat und sich an nichts mehr halten wollte.

Das Debakel mit dem zusätzlichen „Ruhetag“ war ein ziemlich schlechtes Beispiel für Zerstrittenheit und Unüberlegtheit. Beruflich hatte ich ganz viel „Freude“ daran, diesen freien Tag ganz kurzfristig am Morgen nach der MPK als Software-Änderung an unser Kunden auszuliefern und mittags wieder zurück setzen zu müssen. Peinlicher geht es ja wohl nicht. Dachte ich damals…

Auch Münster träumte zu dieser Zeit noch vom „Modellprojekt“. Die Inzidenzzahlen waren damals noch gut genug für solche Träume. Inzwischen ist auch dieser Traum ausgeträumt, auch wenn Münster immer noch ganz gut da steht im bundesweiten Vergleich. Weitere Öffnungen hat es in Münster jedoch nicht mehr gegeben und das, was aktuell mit „Click & Meet“ zulässig ist, erfordert nun auch noch einen tagesaktuellen Corona-Schnelltests.

Überall auf dem Münsteraner Stadtplan werden jetzt neue Test-“Zentren“ vermerkt. Dabei handelt es sich meist nur um einen Baucontainer, in dem das offiziell professionell geschulte Testpersonal mehr oder weniger professionell in Nase und/ oder Rachen herumstochert oder geduldig wartet, bis man das Spuckröhrchen voll“gerotzt“ hat. Entschuldigung für die rustikale Wortwahl, aber anders kann ich diese Prozedur nicht beschreiben. Ich fand den Spucktest viel ekeliger als den tiefen Nasenabstrich, vor dem ich viel Respekt hatte, welcher aber aus meiner Sicht völlig unnötig war. Alles echt nur halb so wild. Ja, ich nutze den „kostenlosen“ Bürgertest, wo immer es geht, denn ein bisschen wissenschaftliche Neugier ist bei mir ja auch noch dabei. Ich möchte schon wissen, wie das alles geht… Na ja, es geht so leidlich. Mich wundert es nicht, dass die Aussagekraft der Schnelltests nicht so gut ist wie erhofft, denn schon die „professionelle“ Probennahme variiert doch sehr stark. Also überrascht es mich auch nicht, wenn die Ergebnisse stärker streuen, als es der Theorie nach zu erwarten war.

Was mich an dieser ganzen Testerei ebenfalls nervt, sind die fehlerhaften Websites, mit denen man sich zur Anmeldung herumärgern. Mal wurde mein Name nicht richtig übernommen, mal fehlte das Testdatum, mal war das neu Testzentrum noch gar nicht als Standort auf der Homepage verdrahtet. Wie kommen damit andere Menschen klar, die nicht wie ich beruflich mit so was zu tun haben. Merken die das nicht oder ärgern die sich noch mehr als ich?

Am Freitagnachmittag wollte ich in den Baumarkt und musste mir erst mal einen Testtermin auf dem Parkplatz mit einen „Click & Meet“-Zeitfenster für den Baumarkt abgleichen. Vor dem Testzentrum eine lange Schlange und ich dachte schon, das nächste Zeitfenster wird sich wohl ohne mich schließen. Aber dann rief es aus den Testcontainer: „Noch jemand mit Termin?“ Alle vor mir in der Schlange schüttelten den Kopf, ich war die einzige, die nicken konnte. Alle anderen hatten von dem neuen Verfahren noch nichts mitbekommen und sich nach dem Prinzip „Hoffnung“ mal angestellt. Sie wurden leider alle weg geschickt, durften sich einen Testtermin buchen und wieder kommen.

Was war das dagegen im vorigen Frühjahr noch einfach, als die Baumärkte geöffnet bleiben durften, weil sie ja auch Tierfutter im Angebot hatten. Und als wir alle brav mit unseren frisch genähten Stoffmasken geduldig in der Warteschlange standen und auf frisch desinfizierte Einkaufswagen warteten. Da hat sich doch einiges verändert seit dem letzten Jahr. Die Stoffmasken sind passe, die Baumärkte mussten im zweiten Lockdown auch schließen – das Tierfutter mussten wir nun woanders kaufen – und auch die Desinfektion der Einkaufswagen hat nicht mehr die höchste Priorität in der Pandemie-Bekämpfung.

Und nun haben wir also – als Konsequenz jener chaotischen Ministerpräsidenten-Konferenz – auch noch das „Bundes-Notbremsen-Gesetz“, das uns wieder neue Regeln auferlegt. Die muss man zwar auch nicht unbedingt verstehen muss, die sollen aber wenigstens einheitlich sein. Bin mal gespannt, wie das nun in den nächsten Tagen und Wochen gelebt werden wird. Gestern versuchte ich, raus zu kriegen, was nun für Münster gelten wird. Aktuell liegt die Inzidenz wieder ganz knapp unter 100. Und wir hatten in der vergangenen Woche nur zwei Tage drüber. Das heißt, erst mal keine Ausgangssperre für Münster. Müssen wir jetzt jeden Tag nachschauen, was morgen gilt?

Wobei ich mir sowieso nicht vorstellen kann, dass sich eine Polizeikontrolle in das nächtliche Gelmer verirren würde, um die Einhaltung der Ausgangssperre zu überprüfen. Bin mal gespannt, ob mir das jemals jemand begegnet, denn ich komme ja oft erst nach 22 Uhr von der Versorgung meiner Pferde zurück oder gehe auch noch mal eine Runde durchs Dorf, wenn das tägliche Laufpensum noch nicht geschafft ist. Angst vor einer Kontrolle habe ich nicht wirklich, aber die Gesamtsituation macht auch mich langsam „mütend“ – müde und wütend.

Besonders ermütend fand ich auch die toootaaal witzige Corona-Aktion dieser elitären Schauspieler-Clique. Zu wenig Corona-Diskurs ist meiner Meinung nach nicht das Hauptproblem dieser Pandemie. Und zur Versachlichung der Diskussion haben diese Videos auch nicht wirklich beigetragen. Dass einige der Protagonisten ihre Beiträge inzwischen zurück gezogen haben, weil sie viel zu viel Beifall aus der falschen Ecke bekamen, hilft nun auch nichts mehr.

„Das tut mir aber wirklich leid“ ist eine Ausrede für Kinder. Erwachsene – vor allem solche, die auch über den entsprechenden IQ verfügen – können sich darauf nicht berufen. Sie haben keine Debatte entfacht, sie haben nur Öl ins Feuer gegossen. Und sie werden das, was sie da verzapft haben, ob gewollt oder nicht, auch schwer wieder los werden.

Es sei denn, Corona bereitet uns noch so viele Überraschungen, dass wir uns im nächsten Jahr zur selben Zeit fragen werden: „Welche Videos noch mal, worum ging es eigentlich?“ Was ich mir und uns natürlich keinesfalls wünsche…

Ich kann auch nicht alle der aktuellen Corona-Maßnahmen nachvollziehen und gutheißen Z. B. würde ich alle Leute jederzeit nach draußen lassen und sie nicht noch zusätzlich einsperren. Aber ich bin auch ganz froh, dass ich bei diesen vielen widerstreitenden Interessen und Argumenten nicht in großem Stile für andere entscheiden muss.

Von einer gewissen Pandemie-Müdigkeit abgesehen, komme ich eigentlich ganz gut durch diese Krise. Meine Arbeit läuft weiter wie vorher, nur der Homeoffice-Anteil ist halt höher geworden. Mein Privatleben hat sich auch nur moderat verändert. Und diese Veränderung ist noch nicht mal schlecht. Ich genieße die Zeit bei und mit meinen Pferden jetzt viel bewusster als früher, sie ist für mich wertvoller geworden. Was für ein Privileg, ein solches Hobby zu haben, das einen jeden Tag raus an die frische Luft und auf andere Gedanken bringt. Und das auch nicht verboten werden kann, weil es ja um lebende Tiere geht, die versorgt werden müssen.

Übrigens gibt es zurzeit gerade einen massiven Trend zum eigenen Pferd. Im vorigen Jahr war der Pferdemarkt noch geprägt von Notverkäufen wegen wirtschaftlicher Schwierigkeiten infolge der Pandemie. In diesem Jahr dagegen sind Pferde überraschenderweise ziemlich teuer, vor allem reine Freizeitpferde werden zu erstaunlichen Preisen angeboten und verkauft. Das aktuelle Pferde-Magazin berichtet von einem regelrechten Kauf-Boom bei Freizeitpferden. Geschlossene Reitschulen und fehlende Urlaubsperspektiven haben wohl eine Menge Menschen zum oder aufs eigenen Pferd gebracht. Ich hoffe mal, dass die nicht alle nach Corona und Lockdown mit ihren Vierbeinern vor der nächsten „Pferdeklappe“ oder dem „Gnadenhof“ stehen.

Denn irgendwann wird dieser Corona-Sch… ja doch, wenn auch nicht ganz vorbei, so jedoch wenigstens beherrschbar sein. Das haben wir zwar im vorigen Jahr auch schon gedacht und dabei konnten wir uns nicht so wirklich vorstellen, wie kompliziert das nächste Jahr werden könnte. Deshalb möchte ich auch nur gaaanz vorsichtig optimistisch sein. Immerhin – noch denke ich, es wird in diesem Jahr noch mal besser werden. Schaun ‚mer mal…

2 thoughts on “Irgendwie wird es gerade immer kälter

  1. Na ja, hier wird es auch so langsam wärmer. So langsam könnte man hier auch Party machen… Keine Ahnung, ob das wirklich ein Problem ist. Ich bin jedenfalls nicht dabei.

  2. Ich fange langsam auch an, über viele Verordnungen/ Maßnahmen/ Gesetze nur noch den Kopf zu schütteln. Was soll z.B. ein nächtliches Ausgangsverbot bringen, wenn die ganze Gastronomie, die Bars, Clubs und Discotheken sowieso geschlossen sind? O.k., bei mir in Andalusien macht es Sinn, damit sich das junge Volk nicht in der Nacht am Strand trifft, bewaffnet mit jeder Menge Alkohol und wilde Partys feiert. Aber in Deutschland bei Nachttemperaturen um den Gefrierpunkt sehe ich da keine Gefahr.
    Ebenso ist es unverständlich, dass man nicht in seine eigene Ferienwohnung in Deutschland, wohl aber ohne Probleme nach Mexiko oder Costa Rica reisen darf.
    Bevor ich mich weiter aufrege und noch einen Herzinfarkt bekomme, höre ich lieber auf …..

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